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Meine Güte, hat der Mann Inspiration. Und Tatendrang. Da wundert es nicht, dass sein Buch „Kopf schlägt Kapital“ gleich zwei Untertitel braucht. Nummer 1: „Die ganz andere Art, ein Unternehmen zu gründen“. Nummer 2: „Von der Lust, ein Entrepreneur zu sein.“ Beide Versprechen werden eingelöst, um das gleich mal zu verraten. Sollte es Sie also in irgendeiner Form jucken, eine Firma zu gründen – oder Sie das mal wieder tun wollen, weil das letzte Mal schon so lange her ist –, dann eilen Sie flugs zu Ihrem Buchhändler.
Günter Faltin heißt der Erwähnte. Er ist Professor und Unternehmer. Er hat an der Freien Universität in Berlin den Arbeitsbereich Entrepreneurship aufgebaut. Und lebt, was er doziert. Nämlich dass Gründen eher ein künstlerisch-kreativer Akt und die Sichtweise eines Selbständigen, der alles „selbst“ und das „ständig“ macht, antiquiert ist. Und dass es olle Kamellen sind, potenzielle Unternehmensgründer mit Business Administration vollzustopfen, ihnen BWL und Buchführung und haste nicht gesehen als zwingend notwendiges Wissen vorzuschreiben.
Aus Komponenten gründen
Heutzutage, so Faltin, müsse man Unternehmen aus Komponenten gründen. Das heißt, Teilaufgaben von existierenden Firmen erledigen zu lassen, die bereits eine bestimmte Größenordnung erreicht haben und hochprofessionell arbeiten. Alles Administrative und Logistische lässt man Spezialisten machen, der Gründer fokussiert sich auf sein „entrepreneurial Design“. Nicht die Ressource, sondern das Konzept gebe den Ausschlag. Denn es biete ein Mehr an Nutzen. Es geht laut Faltin nicht um „geniale Gedankenblitze“, sondern um „harte Gedankenarbeit“.
Das Buch liefert dafür eine Reihe beeindruckender Beispiele. Mit der „Teekampagne“ ist der begeisterte Entrepreneur Faltin selbst seit 1995 Marktführer im Teeversandhandel in Deutschland. Dieses Beispiel nutzt er in seinem Buch mehrfach. Vor allem um zu zeigen, dass es nicht auf Patente und High Tech ankommt, wenn es um Firmengründungen geht. Sondern um eine Idee, um „Funktion statt Konvention“, um eine „Ökonomie der Einfachheit und Vernunft“. Bei der „Teekampagne“ bedeutet das: nur eine einzige Teesorte (aber die beste), verlässliche Rückstandskontrollen, nur Großpackungen als Jahresvorrat, das Ganze zu einem unschlagbaren Preis, alles verständlich und nachvollziehbar für den Verbraucher präsentiert.
Entrepreneurship als Thema im Schulunterricht?
Faltin bricht eine Lanze für ein „Volks-Entreprenurship“. Eigentlich könne jeder ein erfolgreiches Unternehmen gründen. Die Zeiten, in denen Wirtschaft Arbeitsplätze zur Verfügung stellt, seien längst vorüber. Mehr und mehr müsse sich jeder um seinen eigenen Arbeitsplatz kümmern, ihn selber schaffen. Umso absurder, folgert der Unternehmer-Professor, dass das Bildungssystem sich noch immer der Qualifikation verschreibe – für immer weniger Arbeitsplätze. Vielmehr sei es an der Zeit, junge Menschen auf Entrepreneurship vorzubereiten, ihren Ideenreichtum und Gestaltungswillen zu fordern und zu fördern. Eine andere Art des Lehrens und Lernens also.
„Entrepreneurship ist Abenteuerurlaub“, verspricht das Buch. Geld und Reichtum als Motiv, ein Unternehmen zu gründen, bezeichnet der Autor als Mythos. Beim Gründen gehe es den Erfolgreichen vor allem um Kreativität, um Sinn, um einen inneren Auftrag.
Falls Sie Lust bekommen haben: Faltin lädt seine Leser zu einem „Unternehmen zum Mitmachen“ ein. Tatsächlich können Sie in wenigen Minuten Mitunternehmer bei der „CO2-Kampagne“ werden und Energiesparlampen verkaufen. Einkauf, Versand, Rechnungstellung, Marketing etcetera erledigt im Hintergrund ein bestehendes Unternehmen, die Projektwerkstatt. Ein funktionierendes Beispiel für Gründen aus Komponenten. Auf geht´s!
Günter Faltin: „Kopf schlägt Kapital“, Hanser 2008, 19,90 EUR
Erstellt am: 13.01.09
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